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Samstag, 2. November 2013

Jordan/Germany oder der Missing Link

Vor über zehn Jahren sah ich zum ersten Mal einen Hobel mit der Marke "Jordan" und der Herkunftsbezeichnung "Made in Germany". Ich fand das natürlich spannend, meinen Namen auf Werkzeugen zu lesen und habe versucht, mehr herauszufinden.

Besonders interessant an diesem Hobel war die spezielle Eisenfeineinstellung. Die Kennzeichnung "DRPa" ist vermutlich ein Hinweis auf das Patent zu dieser Einstellung, aber eine Patentschrift dazu habe ich nicht finden können. Vermutlich wurde ein Patent angemeldet, aber nicht erteilt.



Eine neue Spur ergab sich, als ich einen praktisch identischen Hobel fand, der mit "Tum" anstelle von "Jordan" gekennzeichnet war. Die Marke TUM gehörte zur Eisengießerei Tillmanns & Maier in Velbert, und diese Firma hat unter anderem eiserne Hobel hergestellt. Beim deutschen Patentamt fand ich drei Gebrauchsmuster der Firma Tillmanns & Maier, und alle drei haben die Eisenfeineinstellung zum Thema. Bei einem der Gebrauchsmuster für einen Doppelhobel ist das Eisen auf die gleiche Weise geschlitzt wie bei dem obigen Hobel, der darin eingreifende Mechanismus aber etwas verschieden.

Der Hersteller dieser speziellen Hobel wäre also die Firma Tillmanns & Maier in Velbert gewesen. Wer aber war Jordan, und warum findet man praktisch alle Werkzeuge mit der Kennzeichnung Jordan/Germany in den USA? Schon früh bekam ich in einem amerikanischen Forum die Auskunft, dass es in New York eine Firma "Jordan Hardware Corporation" gab. Nach langer Suche fand ich schließlich eine Anzeige der Firma Jordan von 1929, in der sich diese Firma als Agent für sieben europäische Firmen bezeichnete. Auf einem der abgebildeten Werkzeuge ist sogar der Namenszug JORDAN in einer Raute zu sehen, genau wie auf meinem Hobel No. 3.

Das wäre also eine Erklärung: Die Firma Tillmanns & Maier hat diese Hobel für den amerikanischen Händler Jordan Hardware Corporation gebaut und mit dessen Logo versehen. Auch über andere Händler hat Tillmanns & Maier Hobel verkauft, denn solche Putzhobel existieren auch mit den Markennamen "Tum", "Solar" und "Metro".

Das ist aber noch nicht alles. Zum einen gibt es neben diesem recht besonderen Putzhobel No. 3 eine Reihe weiterer Hobel mit der Kennzeichnung Jordan/Germany. Das sind ausschließlich kleinere Hobel, sogenannte "block planes", die nicht nur Nachbauten entsprechender Stanley-Modelle sind, sondern auch die gleiche Nummerierung verwenden. Oft, aber nicht immer, ist die erste Ziffer dieser Nummer verdoppelt, also "1102" anstatt "102" usw. Ob diese Hobel auch von Tillmanns & Maier stammen, kann ich bisher nicht sagen.

Und dann gibt es noch eine weitere Linie solcher kleinen Hobel. Im Unterschied zu Jordan-Hobeln sind sie blau mit einer roten Eisenklappe. Sie tragen einen schwarz-rot umrandeten goldenen Aufkleber mit der Marke STRONG BOY. Und der Herkunftsbezeichnung WEST GERMANY zufolge wurden sie nach dem Krieg gefertigt.

Bisher hatte ich keine Vermutung, wer diese Hobel gebaut haben könnte. Aber dann tauchte dieser kleine No. 101 bei Ebay auf, praktisch identisch mit einem STRONG BOY No. 101 in meiner Sammlung.




 Das Kürzel TUM auf dem Aufkleber gab schon einen deutlichen Hinweis. Als der Hobel dann eintraf, entdeckte ich auf dem Eisen noch das Logo der Firma Tillmanns & Maier, das ich bisher nur von einem Briefkopf kannte.



Das bedeutet, dass auch die unter der Marke STRONG BOY auf dem amerikanischen Markt vertriebenen Hobel von der Firma Tillmanns & Maier stammen. Dass auch andere deutsche Firmen Hobel unter amerikanischen Markennamen verkauft haben, ist sehr wahrscheinlich. Sicher gilt das für viele andere Werkzeuge. Zwar tragen sie zum Teil bekannte deutsche Markennamen, aber viele sind lediglich mit MADE IN GERMANY gekennzeichnet. Die Hersteller herauszufinden dürfte ähnlich schwierig sein wie bei den hier gezeigten Hobeln.

Donnerstag, 19. Mai 2011

Patentierter Simshobel von Carl Pohl

Neulich habe ich einen ganz besonderen Hobel bei Ebay gekauft (Danke für den Tip, Andreas!). Die Beschreibung war mager, wie üblich, aber die Form des Hobels und die seitlichen Messingspangen waren ungewöhnlich genug, um mein Interesse zu wecken.


Der Hobel kam im "Fundzustand", also eingestaubt und mit Farbspritzern. Der Verkäufer hatte keine Markierungen erwähnt, aber auf der Klappe und auf der Vorderseite unter der Nase waren Beschriftungen zu ahnen. Nach vorsichtiger Reinigung konnte ich mit meiner Lupe schließlich den Namen POHL entziffern und etwas, das wie eine Patentnummer aussah. In einer Liste mit deutschen Hobelpatenten auf meiner Homepage fand ich den Namen "Carl Pohl in Steglitz" im Zusammenhang mit zwei Patenten für Simshobel:
http://www.holzwerken.de/museum/patent/hobel_de.phtml
Die dort genannten Patentnummern sind 33684 (1885) und 66226 (1892) und die zugehörigen Patentschriften habe ich unter http://depatisnet.dpma.de/ heruntergeladen. Im Netz fand ich noch einen Bericht über den Ankauf zweier Simshobel von Tischlermeister Pohl für die technische Mustersammlung des Landesgewerbvereins Hessen. Er enthielt neben einer Beschreibung sogar einen kleinen "Testbericht", sowie die vollständige Adresse von Carl Pohl. Mit diesen Informationen gelang es mir dann, die beiden gleichlautenden Markierungen auf Klappe und Hobel zu entziffern:

D.R.P. 33684
C. POHL
STEGLITZ
2 HEESESTRASSE 2

Beschriftung auf der Klappe

Beschriftung auf dem Hobel

Beide Patente von Carl Pohl beziehen sich auf Verbesserungen am Simshobel. Trotzdem dieser Hobel mit der früheren Patentnummer gestempelt ist, entspricht er in allen Details dem späteren Patent von 1892.

DRP 33684 (1885)

DRP 66226 (1892)

Mit seinem ersten Patent Nr. 33684 hatte Carl Pohl einige Nachteile des Simshobels beseitigen wollen. Wesentlich dafür war das Abführen der Späne nach oben, wodurch "das lästige und das Arbeiten erschwerende Festsetzen der Späne" [Zitate aus der Patentschrift] aufgehoben werden sollte. Durch diese Art der Spanführung kann dieser Simshobel auch mit breiterer Bahn gebaut werden und damit z. B. den Falzhobel und den abgefalzten Doppelhobel ersetzen. Im Unterschied zum Fausthobel mit seinen geschlossenen Seitenwänden müssen die Späne durch eine Art Trichter in das Spanloch geleitet werden. Diese Funktion haben zwei seitlich angebrachte Metallplatten, die innen entsprechend abgeschrägt sind. Zusätzlich ersetzte Pohl den hölzernen Keil durch einen eisernen, der gleichzeitig die Funktion des Spanbrechers übernimmt. Zusammen mit einer steileren Lagerung des Hobeleisens "ist es möglich, dem widerspänigen Holze wirksam entgegenarbeiten zu können". Das Widerlager ist ein Bolzen, verankert in zwei weiteren Platten, die außerdem "dem zur Hälfte durchschnittenen Block die erforderliche Stabilität wiederzugeben haben".


Mit dem Patent 66226 von 1892 verbesserte Pohl diesen Simshobel, indem er die beiden Metallplatten auf jeder Seite durch eine einzige Platte ersetzte. Der als Widerlager dienende Metallbolzen wurde durch ein keilförmiges Holzklötzchen ergänzt. Dadurch sollte die in dem oben genannten Test bemängelte Spanabführung optimiert werden. Im Rahmen dieses Patents wurde auch die Form der Metallstücke zum Spanloch hin geändert, um Lücken zu schließen, in denen sich Hobelspäne festsetzen könnten.


In der Patentschrift nicht erwähnt sind die heruntergezogenen Wangen im Bereich des Spanlochs. Ich vermute, daß dadurch ebenfalls die Spanabführung verbessert werden sollte. Auf jeden Fall wird das Entfernen von Hobelspänen mit der Hand erleichtert, und der Hobel bekommt durch die geschwungene Linienführung eine besondere Note.

Weitere Details kann man der Zeichnung aus der Patentschrift 66226 entnehmen:


In dem oben genannten Bericht steht, daß ein zusätzlicher Anschlag angebracht werden kann, "durch dessen Anwendung eine ganze Reihe von Specialhobeln, wie verstellbare Falzhobel zu beliebigen Breiten und Tiefen, Kittfalzhobel, Hobel zum Anstoßen von Federn und Nuthen, zur Herstellung schräger Falzen und Kanten u. s. w. ersetzt werden können, was besonders für kleinere Werkstätten von nicht zu unterschätzendem Vortheil erscheint."

Ich habe den Hobel bisher nicht ausprobiert. Aber in dem Bericht heißt es weiter: "Wir haben die Hobel durch einige Schreinermeister einer Probebenutzung unterziehen lassen, welche die praktische Verwendbarkeit des Simshobels mit Anschlag und dessen Vorzüge älteren Constructionen gegenüber erwiesen hat; nicht gleich günstig waren die Resultate in Betreff der Spanabführung [bei dem Hobel nach dem ersten Patent]. Der allgemein empfehlenswerthe Simshobel mit Anschlag kostet 11 Mark, ist daher bedeutend billiger, als die Hobel, welche durch ihn ersetzt werden und in kleineren Werkstätten nicht ausgenutzt werden können."

Trotz dieser vielen Vorzüge hat sich dieser Universal-Simshobel offensichtlich nicht durchsetzen können, denn sonst wäre er heute in jedem Werkzeugschrank zu finden.

Samstag, 2. Oktober 2010

Hobelpatente von Richard Gebel

Vor einiger Zeit bekam ich eine Anfrage eines niederländischen Sammlers. Auf einem eisernen Hobel in seiner Sammlung war eine DRGM-Nummer eingeprägt, und er hoffte, daß ich etwas darüber wüßte. Bei meinem nächsten Streifzug im Deutschen Patentamt in München fand ich das zugehörige Gebrauchsmuster DRGM 280571 (18.05.1906) von Richard Gebel mit dem Titel "Schlichthobel mit einer winkelförmigen, durch Druck- und Zugschrauben verstellbaren Gegenplatte".

Leider läßt sich über diese alten Gebrauchsmuster nicht mehr herausfinden, weil die Dokumente im Deutschen Patentamt irgendwann vernichtet wurden.  Das betrifft zum Glück nicht die Patente, und ich fand tatsächlich eines von Richard Gebel  (DRP 88696, 11.02.1896). Die Patentschrift mit Zeichnungen habe ich auf dieser Seite wiedergegeben.

Richard Gebel versuchte mit dieser Entwicklung ein Problem zu lösen, das sich aus der Abnützung der Hobelsohle insbesondere vor dem Hobelmaul ergibt. Eine federnde Metallplatte vor der Schneide, die in vertikaler und horizontaler Richtung verstellbar war, sollte ausreichenden Druck auf das Holz ausüben, um das Einreißen vor der Schneide zu verhindern. Durch die horizontale Verstellung der Platte konnte das Hobelmaul enger gestellt werden. Die Federung sollte verhindern, daß sich eventuell dickere Späne in der Öffnung festklemmen.


An dem niederländischen Eisenhobel sieht man, daß Gebel das Patent offensichtlich überarbeitet hat und die Stellschrauben jetzt auf der Oberseite bzw. vorne am Hobel sitzen. Ich werde versuchen, noch detaillierte Bilder von diesem Hobel zu bekommen. Die ungewöhnliche Eisenbefestigung wird übrigens weder im Titel des Gebrauchsmusters noch in der Patentschrift erwähnt.

Vor kurzem nun wurde ein Hobel mit der oben genannten Patentnummer bei Ebay angeboten und ich bekam den Zuschlag. Das auffälligste Merkmal ist auch hier die Befestigung des Eisens mit einer hufeisenförmigen Klammer, die seitlich in den Hobelwangen drehbar gelagert ist. Im oberen Bogen befindet sich eine Rändelschraube, die sich auf dem Eisen abstützt. Durch das Anziehen der Schraube drücken die Enden der Hufeisenklammer unten seitlich auf das Eisen und halten es fest.


Das verstellbare Maul, das Gegenstand von Gebrauchsmuster und Patent ist, sieht bei meinem Hobel wieder völlig anders aus. An der vorderen Wand der Spanöffnung ist eine profilierte Metallplatte befestigt, gehalten von einer Schraube, die vom Fuß des Horns aus durch den Hobel geht. Die Größe des Hobelmauls wird mit zwei Schrauben justiert, die vom vorderen Ende des Hobels aus verstellt werden. Die horizontale und vertikale Position der Platte wird also von einer Zug- und zwei Druckschrauben bestimmt.


Der Hersteller des Hobels läßt sich nicht feststellen, es gibt keine Markierungen. Vor einigen Jahren wurde ein ganz ähnlicher Hobel bei Ebay angeboten. Mein Hobel ist also kein Einzelstück, und auch der Eisenhobel ist ein zweites Mal gesehen worden. Durchgesetzt hat sich das Patent aber anscheinend nicht. Dazu ist die Einstellung des Hobelmauls mit drei Schrauben zu umständlich, und offensichtlich gab es auch keinen Bedarf für eine vertikale Verstellung.

Bleibt noch zu erwähnen, daß zwei Jahre vor Gebels Patent Georg Ott ein Gebrauchsmuster angemeldet hat, das die Grundlage für die sogenannten Reformputzhobel (hier ein frühes Beispiel) ist.