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Donnerstag, 2. Juli 2015

Harfenständer

Meine Mutter hat früher nie ein Instrument gespielt, aber vor zwei Jahren hat sie die Zauberharfe für sich entdeckt. Praktisch ohne Vorkenntnisse kann man dieses Instrument spielen. Mit ihrer Begeisterung hat sie auch einige Mitbewohnerinnen in ihrem Seniorenwohnheim angesteckt, und diese Gruppe tritt mittlerweile sogar öffentlich auf.

Als ich sie vor einigen Monaten besuchte, fragte sie mich, ob ich ihr nicht einen Ständer für ihre Harfe bauen könne. Sie hatte einen Prospekt für einen solchen Ständer, der nichts anderes als ein abgewandelter Notenständer war. Etwas Ähnliches hatte ich noch nie gebaut, aber ich sagte spontan zu.

Die Zauberharfe

Nach einigem Suchen fand ich in der Zeitschrift HolzWerken einen Plan für einen Notenständer (Heft März/April 2009), der mir sehr gut gefiel. Wegen der zu ändernden Abmessungen habe ich mich erst noch einmal mit dem CAD-Programm Sketchup beschäftigt, um die Proportionen besser beurteilen zu können. Die Tutorials von Heiko Rech und anderen waren mir dabei eine große Hilfe. Schließlich hatte ich einen Entwurf, der mich überzeugte, und ich machte mich an die Arbeit.

Sketchup-Entwurf

Der Ständer besteht aus einer dreieckigen Führungssäule mit eingegrateten Füßen und einer ebenfalls dreieckigen Tragsäule, die das Notenpult oder in diesem Fall das Pult für die Harfe trägt. Das Pult ist sowohl in der Höhe als auch in der Neigung verstellbar. Die Dimensionen habe ich so geändert, dass man die Harfe sowohl im Sitzen als auch im Stehen spielen kann. Außerdem habe ich die Abmessungen des Pultes auf die Harfe angepasst.

Vor vielen Jahren hatte ich mir mehrere Bohlen Birke gekauft für ein Projekt, aus dem dann doch nichts geworden ist. Ein Teil davon war schon besäumt und gehobelt, also konnte ich gleich loslegen.

Für die Führung brauchte ich Bretter mit acht Millimetern Stärke. Dafür habe ich ein Brett mit der Schlitzsäge aufgetrennt.

Auftrennen mit der Schlitzsäge

Das Ergebnis des ersten Schnitts, und was daraus einmal entstehen soll.

Aufgetrenntes Brett

Die drei Bretter für die Führungssäule.

Die Teile der Führungssäule

Die Anleitung beschreibt das Anschrägen der Bretter mit der Tischkreissäge. Das kam für mich nicht in Frage, aber wie hobelt man eine Brettkante im Winkel von 30 Grad? Nach einem erfolglosen Versuch mit einem entsprechenden Anschlag für die Rauhbank kam ich auf die Idee mit diesen Unterlagen. Auf drei Holzklötzen mit einem Winkel von 120 Grad liegen jeweils zwei mit einem Klebeband verbundene Bretter und werden gleichzeitig gefügt.

Führungssäule: Hobeln der Gehrung

So ganz exakt ist das Ergebnis nicht geworden, aber zumindest außen waren alle Fugen geschlossen, Das Ergebnis nach dem Verleimen war überzeugend genug, um weiter arbeiten zu können.

Verleimen der Führungssäule

Für die Tragsäule brauchte ich eine Stärke von 50 Millimetern, also habe ich zwei entsprechende Leisten miteinander verleimt.

Verleimen der Tragsäule

Das Formen der dreieckigen Säule habe ich mit wenig Theorie und viel Praxis hinbekommen. Mit etwas Übung wäre das sicher leichter gewesen, aber das Spiel ist nicht allzu groß.

Führungssäule und Tragsäule

Das Pult besteht aus einfachen rechteckigen Leisten, die an den Ecken überblattet sind. Zur Stabilisierung und zur Befestigung des Pultverbinders sind zwei weitere Leisten eingezogen. Die Abmessungen habe ich dabei so gewählt, dass das Klangloch auf der Rückseite der Harfe nicht verdeckt wird. Am unteren Ende des Pultes wird im rechten Winkel ein Haltebrettchen für die Harfe angeleimt.

Verleimen des Pultes

Eine der Überblattungen an der Mittelleiste. Nicht alle Verbindungen sind mir so gut gelungen.

Überblattung am Pult

Die Tragsäule erhält am oberen Ende einen Einschnitt für den Pultverbinder.

Tragsäule schlitzen für den Pultverbinder

Der Pultverbinder wird eingepasst. Die Tragsäule habe ich wie im Bauplan zu zwei Leisten auslaufen lassen. Mit Hilfe einer Schraube wird dazwischen der Pultverbinder befestigt.

Einpassen des Pultverbinders

Die drei Füße sind mit einem Grat versehen und warten auf ihre endgültige Form.

Füße gegratet

Probeaufbau mit den eingeschobenen, noch grob geformten Füßen und einigen Leimzwingen zur provisorischen Befestigung des Pultes.

Probeaufbau des Harfenständers

Eigentlich wollte ich Schrauben vermeiden, aber weil die Harfe doch deutlich schwerer ist als einige Notenblätter, habe ich schließlich den Pultverbinder doch zusätzlich gesichert.

Harfenständer im "Rohbau"

Ebenfalls schon im obigen Bild zu erkennen ist die Klemmung für die Pultverstellung, die aus einer M8-Schraube und einem (hier noch ungeformten) Holzklötzchen mit Einschlagmuffe besteht.

Klemmschraube für die Höhenverstellung

Hier im Detail die Klemmschraube für die Höhenverstellung. Eine breitköpfige Rändelschraube ist am freien Ende in einen Holzgriff eingeklebt. Sie dreht sich in einer Einschlagmuffe, die auf der Innenseite eines Haltebrettchens befestigt ist. Das Brettchen wird anschließend über einem entsprechend großen Loch in der Tragsäule angeleimt. Den Kopf der Rändelschraube habe ich zur Verbesserung der Reibung mit einem Stück Stoff beklebt.

Der fertige Ständer, noch unbehandelt

So sieht der fertige Ständer aus, nachdem die Füße geformt und eingeleimt sind und auch die Griffe ihre endgültige Form bekommen haben. Fehlt nur noch die Oberflächenbehandlung.

Der Harfenständer, fertig geölt

Zweimal geölt und fertig zur Auslieferung!

Der Harfenständer (Detail)

Die Höhen- und Neigungsverstellung aus der Nähe.

Leider habe ich noch kein Foto vom Harfenständer im Einsatz. Meine Mutter hat sich jedenfalls sehr gefreut und mir versichert, dass der Ständer so funktioniert, wie sie es sich vorgestellt hat.

Nachtrag:
Mittlerweile habe ich ein Foto bekommen.

Der Harfenständer in Benutzung

Samstag, 22. Oktober 2011

Ein Wespenhaus

Wenn mein Enkel Lars zu Besuch ist, geht er gerne mit mir in die Werkstatt. Ich muss mir nie ausdenken, was wir dort machen könnten, denn Ideen hat er selbst genug. Dieses Mal sollte es ein Haus für die Wespen werden. Keine Ahnung, wie er auf diese Idee kam. Vielleicht wollte er den Wespen was anbieten, damit sie uns in Ruhe lassen, wenn wir draußen essen.

Jedenfalls hat Lars eine genaue Vorstellung, wie das Haus aussehen soll. "Da müssen wir zwei Bretter so schräg abschneiden (zeigt mit den Händen ein Dach), und dann brauchen wir eine Tür. Hast du so Teile, wo man eine Tür dranmachen kann?" Kleine Scharniere habe ich sicher irgendwo, aber wie soll ich mit einem Vierjährigen ein richtiges Haus mit funktionierender Tür bauen?

In der Werkstatt zeichnet Lars erst mal eine Giebelwand auf ein Stück Holz. "Säg das aus, Opa!" Ich denke an all die Teile, die wir brauchen werden, an das Verleimen, und an die Tür mit Scharnieren. Die Größe der Aufgabe lähmt mich, aber Lars drängt: "Sonst mach ich das." Alleine sägen kann er noch nicht, mit der Gestellsäge geht es aber gut zu zweit. Weil die Teile für ein Haus aber winklig sein müssen, säge ich dieses Mal alleine. Zuerst mal einfach ein Stück vom Ende des Brettes, dann noch eins und noch einige, und wunderbarerweise lässt sich daraus ein Kästchen zusammensetzen.

Lars ist zufrieden. Von einem Dach ist keine Rede mehr, und als ich aus einem Brettchen mit der Schweifsäge einen Bogen als Tür aussäge, leuchten seine Augen. Bis das Häuschen zusammengeleimt ist, würde viel zu lange dauern, also nageln wir die Brettchen zusammen. Das macht sowieso mehr Spaß und weil wir die Löcher vorbohren, ist es auch für Lars ganz einfach. Zum Abendessen können wir der Familie stolz unser Wespenhaus zeigen.
Am nächsten Tag malen wir das Häuschen noch mit Wasserfarben bunt an. Und mit einem kleinen Haken im Dach wird es gleich im Zwetschgenbaum aufgehängt.


Lars füllt einen Plastikdeckel mit Honig, schiebt ihn durch die Türöffnung, und das Wespenhaus wartet auf seine Gäste. Tatsächlich finden sich bald die ersten Wespen ein, und auch die Ameisen holen sich ihren Anteil am Honig.


Ich bin auch zufrieden, weil ich was dabei gelernt habe. Einen fertigen und komplizierten Plan im Kopf zu haben, kann einen davon abhalten, eine Aufgabe zu lösen. Mit meinem Erwachsenendenken wären wir nicht weit gekommen. Einfach mal mit einer Idee anfangen und sehen, wie sie sich verändert und was dabei entsteht, und sich überraschen lassen.

Bei unserem nächsten Projekt, einer "Rakete", war ich jedenfalls schon wesentlich gelassener. Fliegen kann man damit zwar nicht, aber sie ist toll geworden. Und sogar groß genug, daß die Mama "mitfliegen" kann.

Mittwoch, 6. Oktober 2010

Werner und Eric Raggenbass, Werkzeughersteller in Genf

Diesen Link bekam ich von einem ungarischen Leser meiner Homepage:


Er führt zu einem 45minütigen Video über Werner und Eric Raggenbass, Hersteller von Holzwerkzeugen in Genf. Die Firma war mir bisher unbekannt. Nur in dem neuen, lesenswerten Werk über französische Hobel und Hersteller von Pierre Bouillot (Les Rabots, Edition Vial, 2010) fand ich eine Abbildung des Stempels dieser Schweizer Firma.

Der Film wurde 1983 gedreht und zeigt Vater und Sohn Raggenbass beim Herstellen einer Rauhbank und einer Gestellsäge. Zwischendurch wird viel über die Werkzeuge erklärt, und auch die Geschichte der Firma kommt nicht zu kurz. Der Film ist auf Französisch, deshalb habe ich leider nicht alles verstanden.


Für mich vor allem interessant ist der Bau der Rauhbank fast ganz ohne Maschinen. Der vorbereitete Holzklotz mit bereits aufgeleimter Sohle wird von Hand abgerichtet und mit der Hobelmaschine von Dicke gehobelt. Das Spanloch wird eingestemmt und das Bett für das Hobeleisen sorgfältig mit einem großen Beitel unter Zuhilfenahme der Schulter geebnet.

Dann wird das Eisen geschliffen und abgezogen, und dabei der Unterschied zwischen den alten verstählten und neueren Eisen ganz aus Stahl erklärt. Die Gabel des Keils wird mit der Schweifsäge ausgeschnitten und die langen Kanten mit einem kleinen Rundstabhobel bearbeitet. Für die Abrundung der senkrechten Kanten kommt eine Art Hohlbeitel zum Einsatz; dieses Werkzeug war mir bisher unbekannt. Zum Schluß wird der Handgriff eingeleimt und das Herstellerkennzeichen eingeschlagen.


Sicherlich sehr interessant wäre der mittlere Teil des Films, wo anscheinend über die alten Handwerker und ihr Leben gesprochen wird. Leider reichen dafür meine Sprachkenntnisse nicht aus.

Im letzten Teil zeigt Vater Werner Raggenbass den Bau einer Gestellsäge. In Sekundenschnelle sind die Hörnchen gedrechselt. Die Enden des Stegs werden ausgeschnitten und mit dem Beitel abgeschrägt. Während er die Säge zusammenbaut, demonstriert Raggenbass senior die verschiedenen Arten und Funktionen der Gestellsäge.


Die Erklärungen zu Hobeln und Sägen werden mit Abbildungen aus einem alten Katalog der Firma illustriert und immer wieder werden Photos aus der Geschichte der Firma eingestreut. Ein wirklich sehenswertes Video!

P.S. Die Abbildungen in diesem Beitrag stammen aus dem genannten Video. Das Copyright liegt bei Les archives de la TSR.

Freitag, 10. September 2010

You need a band saw!

Im letzten Heft von Popular Woodworking stand ein Artikel von Michael Dunbar über Gestellsägen. Dunbar baut seit Jahrzehnten sogenannte Windsorstühle und gibt auch Lehrgänge dazu. Die Sitzflächen und einige der Stuhlteile sägt er mit der Gestellsäge aus, und er berichtet, daß ihm bei Vorführungen regelmäßig von Zuschauern zugerufen wird:

You need a band saw!

Nach Dunbars Meinung zeigt dieser Zwischenruf, daß amerikanische Holzwerker zu wenig über Gestellsägen wissen. Deshalb möchte er in diesem Artikel die Vorzüge zeigen und den Umgang mit diesen Sägen demonstrieren. Er arbeitet im Wesentlichen mit einer großen Gestellsäge für grobe Arbeiten und Auftrennschnitte und einer kleinen Schweifsäge. Beide sind mit relativ schmalen (10 bzw. 6 mm) Abschnitten eines Bandsägeblattes besetzt. Nun ist Dunbar mit seinen Stühlen vielleicht nicht unbedingt der richtige Kandidat, um den Amerikanern die Benutzung von Gestellsägen nahezubringen. Für seine Arbeiten braucht er nämlich vor allem Schweifsägen, was auch die schmalen Blätter erklärt. In seinem Artikel beschreibt Dunbar aber auch die Benutzung einer solchen Säge für lange Auftrennschnitte (also als Faustsäge), und da bin ich dann doch ins Grübeln geraten.

Nicht umsonst wird in deutschen Fachbüchern Gestellsäge nur als Oberbegriff für eine Reihe von spezialisierten Sägen benutzt: Faustsäge, Schittersäge, Schlitzsäge, Absetzsäge, Schweifsäge usw. Die Vorstellung, einen langen Auftrennschnitt mit einem Schweifsägeblatt bewerkstelligen zu müssen, treibt mir den Angstschweiß auf die Stirn. Das von Dunbar benutzte Blatt hat mit 5 tpi zwar eine übliche Zahnweite für solche Schnitte, aber das schmale Blatt macht es unnötig schwer, die Säge in der Spur zu halten. So bemerkt er in dem Artikel auch, daß man das Blatt beim Anheben der Säge etwas zurückzieht, um die Richtung leichter korrigieren zu können.

Auch sonst habe ich mit dem Artikel Probleme. Dunbar greift die Säge nicht mit den Händen an den beiden Enden des Sägearms, sondern mit einer Hand am Steg. Außerdem führt er die Säge mit der linken Hand (er ist Rechtshänder), was das Ganze zusätzlich erschwert. Wie man die Säge beim Fausten richtig hält, ist hier zu sehen (aus Karl Bieler: An der Hobelbank, 1954):



Richtig erschreckt hat mich dann das Video zu diesem Artikel, in dem Dunbar die verschiedenen Sägetechniken demonstriert. Der als so mühelos beschriebene Auftrennschnitt erinnert mich dort eher an meine ersten Versuche mit dem Fausten. Die offensichtlich zu gering geschränkte Säge verklemmt sich immer wieder in der Kerbe. Und das Brett, das nicht ordentlich an der Hobelbank befestigt ist, flattert und wird mit der Säge nach oben gezogen und der Fluß der Bewegungen unterbrochen.

Vielleicht sollte Michael Dunbar doch mal bei Frank Klausz vorbeischauen und sich die Benutzung der Faustsäge erklären lassen. Oder die Zurufe seiner Zuschauer ernst nehmen:

You need a band saw!