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Sonntag, 24. Mai 2015

Historische Werkzeugkataloge

Als ich anfing altes Werkzeug zu sammeln, ging es mir noch um das Werkzeug selbst, weil ich damit arbeiten wollte. Aber bald schon kam das Staunen über die Vielfalt der Hobel, Bohrer und Sägen dazu und die Freude an der Schönheit der alten Formen. Und ich wollte mehr wissen über die Geschichte der Werkzeuge. Wie alt ist dieser Hobel eigentlich, wer hat ihn hergestellt? Welche anderen Modelle gab es damals noch und wie haben sich bestimmte Eigenschaften entwickelt? So wie heute muss es doch früher auch Kataloge gegeben haben!?

Eher zufällig habe ich damals erfahren, dass es einen Nachdruck eines Kataloges von Joh. Weiss & Sohn gab. Den habe ich dann in England bestellt, und kurz darauf noch einen Katalog-Nachdruck der Firma Goldenberg. Bald kamen dank Ebay die ersten Originale dazu und immer wieder auch Kopien von anderen Sammlern. Fast 200 Exemplare sind es mittlerweile, sauber in Archivboxen sortiert und gestapelt.

Sehr häufig bin ich am Blättern und Suchen, wenn ein neuer Hobel vom Flohmarkt bestimmt und eingeordnet werden muss. Oft bekomme ich auch Anfragen nach dem Alter eines Werkzeugs, oder jemand hat ein unbekanntes Objekt gefunden und fragt nach Namen und Einsatzzweck. Für eine solche Suche eignen sich die Gesamtkataloge von Händlern sehr gut, wo man auch beim x-ten Durchblättern noch Neues findet.

Irgendwann im letzten Jahr fing ich an, mir Gedanken zu machen über die Zukunft meiner Sammlung und insbesondere der Kataloge. Immer wieder höre ich von Sammlern, die gestorben sind und Nachkommen, die nicht wissen wohin mit dem alten Kram. Wer will schon eine ganze Sammlung kaufen, wenn der Reiz des Sammelns doch gerade darin liegt, ein Stück nach dem anderen zu finden und zu erwerben.

Meine Sammlung von Werkzeugen ist nicht so außergewöhnlich, dass sie mich überleben müsste (mit wenigen Ausnahmen vielleicht). Mehr Sorgen machen mir die gesammelten Informationen über Hersteller und Werkzeuge. Vieles davon habe ich auf meiner Webseite veröffentlicht, Kataloge sind aber bisher nur wenige dabei. Hinzu kommt, dass mehrere meiner Kataloge schon sehr angegriffen sind von Alter und häufiger Benutzung.

Aus diesen Überlegungen heraus habe ich mich entschlossen, nach und nach zumindest einen Teil dieser Kataloge im Netz zu veröffentlichen. Ich denke, dass sie da besser aufgehoben sind als in irgendwelchen Archiven. Hier geht es zur Startseite:

Historische Werkzeugkataloge

Im Moment sind es nur wenige Kataloge, die ich vollständig eingescannt habe. Aber ein Anfang ist gemacht. Über Kritik und Anregungen würde ich mich freuen. Und falls jemand einen bestimmten Katalog sehen möchte, werde ich das gerne berücksichtigen.

Donnerstag, 7. November 2013

How can I pimp my plane

oder Wie kann ich diesen Hobel verbessern? Das wird Mr. Knight gedacht haben 1) 2), nachdem er sein neuestes Werkzeug ausprobiert hatte. Ein Schrupphobel aus Deutschland, schmal und leicht, mit dem es eine Freude war Bretter abzurichten. Die Nase war zwar ungewohnt für einen Engländer, aber durch ihre Asymmetrie lag sie gut in seiner Hand. Das hintere Ende des Hobels fand er dagegen zu kantig, und nach einer Weile schmerzte die rechte Hand. Die heimischen Jack Planes waren besser zu führen, denn sie hatten hinter dem Eisen einen ordentlichen Griff. Könnte man nicht einfach ...?


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Gedacht, getan! Ein Griff war schnell ausgesägt und mit Raspel und Feile geformt. Und weil er sich so leichter befestigen ließ und um den Abstand zum Eisen gering zu halten, sägte Mr. Knight kurzerhand die hintere obere Hälfte des Hobels weg. Den Griff leimte er in eine Nut, sicherte ihn noch mit einer Schraube und feilte alle Kanten gefällig rund.

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So war deutlich angenehmer mit dem Hobel zu arbeiten! Das lästige Abrichten war jetzt schnell erledigt, und Mr. Knight fragte sich, warum nicht schon vor ihm jemand auf diese Idee gekommen war.

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Voller Stolz stempelte er den Hobel gleich an drei Stellen mit seinem Namen und gab ihm einen Ehrenplatz in seinem Werkzeugschrank.

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Wer weiß, wenn er damals einen Brief an den Hersteller geschrieben hätte, vielleicht wäre seine Idee von Friedrich Wilhelm Emmerich dankbar aufgegriffen worden. So ist sein Hobel ein etwas exotisches Einzelstück geblieben. Einen besonderen Platz hat er aber auch jetzt wieder, nämlich in meiner Sammlung.

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Quellen:
1) http://de.wikipedia.org/wiki/Pimp
2) Sicher hat Mr. Knight damals einen anderen Ausdruck benutzt.